Das Reh ist ausgesprochen anpassungsfähig. Wir finden es nicht nur vom Tiefland bis ins Gebirge, sondern selbst am Friedhof der Großstadt. Dies ist für ein Säugetier dieser Größe höchst bemerkenswert.
Als klassischer Waldrandbewohner erreicht das Reh in der reich gegliederten Kulturlandschaft höhere Dichten als in geschlossenen Wäldern. Die vielen Grenzlinien zwischen Wäldern/Wiesen/Äckern sagen ihm sehr zu.
Sehr selten gibt es auch anders gefärbte Rehe, nämlich weiße oder weiß-braun gezeichnetet Exemplare. In manchen Regionen Europas kommen auch ab und zu schwarze Rehe vor.
Rehe erreichen bei ihrer kurzen Flucht in die nächste Deckung hohe Geschwindigkeiten, sind aber keine ausdauernden Läufer. Wie fast alle Wildtiere sind sie auch gute Schwimmer und überqueren sogar mitunter die Donau.
Während dem Wachstum ist das Geweih von einer samtartigen Haut, dem Bast, umgeben. Diese beinhaltet Blutgefäße und versorgt das Geweih mit Mineralstoffen etc.
Die stammesgeschichtlichen Vorfahren der Rehe verteidigten sich auch mit langen Eckzähnen. Diese wurden im Laufe der Evolution zurückgebildet. Heute kann man nur mehr in Ausnahmefällen kümmerliche Reste als "Grandeln" finden.
Jede Geweihstange kann ein, zwei oder drei Enden haben und wird als Spieß, Gabel oder Sechserstange bezeichnet. Die Böcke werden demnach als Spießer, Gabler oder Sechser(böcke) bezeichnet.
Ausgewachsene Rehböcke sind von März bis Oktober territorial, grenzen also Reviere ab. Bei der Reviermarkierung schlagen sie mit dem Geweih an jungen Bäumen und scharren darunter den Boden auf. Dabei können sie auch den Kampftrieb abreagieren.
Verfegte Bäume lassen sich insgesamt nicht vemeiden. In manchen Fällen macht aber ein Einzelstammschutz wirtschaftlich wichtiger Bäume mit Kunststoffmanschetten Sinn.
Junge Böcke werden von Revierinhabern verjagt und treiben sich im "Niemandsland" zwischen guten Revieren herum. Oft wandern sie kilometerweit ab, ehe sie eine ruhige Ecke finden.
Mit den weißen Flecken auf braunem Grund sind sie im Unterwuchs des Waldes bestens getarnt. Außerdem haben sie noch kaum einen Eigengeruch. Nähert sich trotzdem ein Beutegreifer (z.B. Fuchs), wird dieser von der wachsamen Geiß verjagt.
Bei Gefahr drücken sich Kitze auf den Boden und vertrauen auf ihre Tarnung. Dieses Verhalten ist im Wald sehr effektiv, kann sich aber in Wiesen sehr verhängnisvoll auswirken.
Der Bauer kann die Rehkitze nämlich vom Traktor aus nicht sehen. Damit die Kitze nicht vom Mähwerk zerstückelt werden, suchen Jäger direkt vor dem Mähen die Wiese mit Jagdhunden ab.
In diesem Fall wurde das Kitz mit einem Käfig abgedeckt und dieser markiert, um das Kitz erst kurz vor der Mahd in den Wald zu bringen oder um in diesem Wiesenbereich auf die Mahd zu verzichten.
Zur Kitzsuche können auch tragbare Wildretter (z.B. der Fa. isa Industrieelektronik GmbH) eigesetzt werden. Diese bestehen aus auf einer Teleskopstange angebrachten Infrarotsensoren, die in einer 6 m breiten Schneise warme Rehkitze in der kalten Wiese aufspüren und dann einen Alarm auslösen können.
In Zukunft können zur Kitzsuche möglicherweise auch verschiedene Sensoren und Kameras auf Computer- und GPS-gesteuerten "fliegenden Plattformen" eingesetzt werden. Diese Bild zeigt einen Prototyp bei Testflügen (Projektkonsortium Fa. ISA / DLR / TU München / Fa. CLAAS).
Rehe haben eine relativ hohe Fortpflanzungsrate. Reguliert werden Bestände durch Witterungseinflüsse, Krankheiten, Beutegreifer und insbesondere die Jagd. Dieses Kitz starb infolge kalter, nasser Witterung.
Unter den Beutegreifern stellt vor allem der Fuchs eine Gefahr dar. Er erbeutet fast ausschließlich Kitze. Nur in absoluten Ausnahmefällen können Füchse im Winter bei vorteilhafter Schneelage und gemeinschaftlicher Jagd sogar erwachsene Rehe reißen.
Das bei der Brunft in den Boden getrampelte Gras düngt diesen und führt im Folgejahr zu einem verstärkten Wachstum. Diese dunkelgrünen Ringe wurden früher mangels naturwissenschaftlicher Erklärung "Hexenringe" genannt.
Die Ausbildung der relativ kleinen Rehkitze dauert nicht bis in den nächsten Mai. Daher kommt es nach der Befruchtung der Eizelle zu einer mehrmonatigen Keimruhe. Der Keim entwickelt sich erst Ende Dezember wieder weiter.
Wenn im Herbst die Tage wieder kürzer werden, ist die Gefahr eines Verkehrsunfalls mit Rehen - insbesondere bei Walddurchfahrten - besonders groß. Aufmerksame Autofahrer sehen das Wild, ...
... bevor es die Fahrbahn kreuzt. Kollisionen mit Wildtieren verursachen alljährlich hohen Sach- und Personenschaden.
Wie folgenreich Kollisionen mit Rehen ausgehen könn(t)en, zeigt dieser Fall: Ein Rehbock durchschlug die Windschutzscheibe dieses Fahrzeuges ...
... und kam am (zum Glück unbesetzten) Beifahrersitz zu liegen. Der Fahrer kam mit leichten Verletzungen davon.
Im Interesse von Mensch und Wild sollte das Verkehrsschild "ACHTUNG WILDWECHSEL" deshalb ernst genommen werden.
Jäger kennen gefährliche Straßenabschnitte besonders gut und leisten ihren Beitrag, um Unfälle mit Wild zu verringern. In diesem Fall wurde ein selbst gebastelter Reflektor an einem Straßenpflock angebracht, der Rehe vor Autos warnen soll.
Hier wurde ein Wildwarnreflektor mit einem "Duftzaun" kombiniert. Der Reflektor lenkt das Scheinwerferlicht in Richtung der Wildtiere ab. Aus dem Schaum entweichende Duftstoffe wirken zusätzlich abstoßend auf Wildtiere.
An vielbefahrenen Straßen werden auch oft permanente Wildzäune inklusive "Viehgitter" (Überquerungsschutz aus Grube mit darüber liegendem Gitter) an den Zufahrten errichtet.
Weidezäune hingegen können für Rehe zu Fallen werden. Oft kommt es vor, dass sich Böcke mit dem Geweih darin verfangen und verenden, wenn sie nicht - wie in diesem Fall - befreit werden.
Rehe beeinflussen als Pflanzenfresser die Vegetation. Bei zu hoher Dichte verursachen sie Schäden durch Fressen von Baumkeimlingen und Verbeißen von Wipfeltrieben junger Bäume.
In naturnahen Mischwäldern mit guter Naturverjüngung können Rehe auf Grund der großen Zahl nachwachsender Bäume auch viele Triebe und Knospen fressen, ohne einen Schaden anzurichten.
Im Vergleich zur Naturverjüngung stehen in vom Menschen angepflanzten Kulturen die Bäume in sehr geringer Dichte. Selbst wenig Rehe können hier durch Verbiss der Wipfeltriebe leicht Schäden verursachen.
Das Betreiben von Rehfütterungen wird daher zunehmend kritischer gesehen. Einseitige Futtermittelgaben können nämlich Verdauungsprobleme verursachen. Und nicht selten kommt es im Umkreis zur Konzentration von Rehen und damit zu Verbisschäden.
Wenn man Futterstellen errichtet, sollte dies gleichmäßig verteilt in wenig verbissgefährdeten Revierteilen erfolgen. Die Kombination von hochwertigem Heu, Saftfutter (Apfeltrester) und etwas Kraftfutter (Hafer) ist für Rehe meist gut verträglich.
Beim Reh besonders beliebte Wirtschaftsbäume wie die Tanne kann man schützen, indem man den Wipfel mit einem bitter schmeckenden "Verbissschutzmittel" einstreicht. Manchmal werden auch Schafwolle, Menschenhaare, ... aufgebracht.
Am liebsten ruhen Rehe an Stellen, an denen sie einen guten Überblick haben, selbst aber schlecht gesehen werden. Dies ist z.B. an Waldrändern und auf Kuppen der Fall.
Wo attraktive Flächen für das Reh rar sind, können Jäger durch die Anlage von Wildwiesen, Wildäckern, Ackerrandstreifen etc. das Reh und andere Wildarten fördern oder zumindest deren Sichtbarkeit erhöhen.
Die Anlage ökologisch wertvoller Ackerrandstreifen ("Blühstreifen") wird von öffentlicher Hand gefördert. Bei dieser Art der Hege gäbe es noch viel Potenzial.
Rehe sind jedenfalls faszinierende Wildtiere, die man auf Grund ihrer Anpassungsfähigkeit fast überall antreffen kann. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, kann sie oft beobachten und ihre Spuren finden.
























































































